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[11.02.11]
Rinquelle Januar 2011 - Schleppst Du noch
oder tauchst Du schon? Es gibt aber noch einen weiteren Grund, weswegen diese Quelle eher selten betaucht wird: Die enorme Plackerei. Die Ausrüstung muss erst den Berg hoch zur Talstation, dann mit der Seilbahn über die Schlucht und über die (zumindest im Winter) rutschigen Felsen zur Einstiegsstelle gebracht werden. Und nach dem Tauchgang natürlich auch wieder zurück.
Der erste von uns, der von der Rinquelle fasziniert war und sie trotz der widrigen Umstände unbedingt betauchen wollte, war Basti. Unermüdlich machten er und auch Micha Werbung für diese Tour und so fand sich ein Trupp aus zehn Tauchern zusammen, die im Januar 2011 ein langes Wochenende an und in der Rinquelle verbringen wollten. Der Start des Projektes verlief holprig, denn ungefähr zehn Tage vor dem Wochenende kam Tauwetter auf und die Rinquelle begann wieder zu schütten. Es wurden bereits Ersatzpläne geschmiedet, als es zu unserem Glück doch wieder kälter wurde und die Messstation im Quelltopf keine Schüttung mehr registrierte.
Als nächstes mussten dann drei Teilnehmer
(Micha, Jens, Ralph) kurzfristig absagen, was wiederum kein gutes Zeichen war.
Positiv waren dafür aber die Reaktionen der lokalen Schweizer Höhlentaucher,
denen wir vor unserer Tour Bescheid gegeben hatten. Wir bekamen viele
wertvolle Tipps, die die ganze Aktion leichter und sicherer gemacht
haben. Auch die
Hinweise
von Hans Meier waren uns eine gute Hilfe. Vielen Dank an dieser Stelle
für alle Unterstützung! Die verbliebenen Teilnehmer machten sich auf den Weg in die Schweiz. Andreas, Basti, Thorsten, Mirco und Wolfgang trafen am späten Freitagnachmittag im Betlis ein und begannen gleich damit, die Ausrüstung hoch zur Seilbahn zu schleppen. Man merkte schnell, dass dies keine bequemen Tauchgänge werden sollten. Dabei hatten sie noch Glück, denn der Weg rauf zur Seilbahn war nicht verschneit, was von den Schweizer Höhlentauchern als mögliche zusätzliche Erschwernis geschildert worden war. Nach einigen hundert Metern Strecke und zig Höhenmetern standen sie mit Material und Stages bepackt vor der Talstation der Seilbahn. Ein herrlicher Anblick des gefrorenen Seerenbachfalls im Sonnenschein entschädigte ein wenig für den anstrengenden Weg hierher.
Mirco war es, der am Stahlseil rüberklettern musste, um den Seilbahnkorb von der Bergseite herabzulassen. Im Klettergeschirr gesichert konnte ihm dabei zwar wenig passieren, aber die 800km Autofahrt und das Hochschleppen der Ausrüstung hatten bereits ihren Tribut gefordert und so brauchte Mirco einige Zeit, bis er die Schlucht überquert hatte. Für die Benutzung der Seilbahn hatten wir vorher einen Haftungsausschluss unterschrieben und beim Umweltamt in St. Gallen eingereicht. Die nächsten Stunden verbrachten wir damit, den größten Teil der Ausrüstung den Berg hinauf und über die Seilbahn zur Bergstation zu bringen. Als es dämmerte setzte die Bergstation-Besatzung wieder zur Talseite über. Es ging wieder hinunter zu den Autos und weiter in unser Quartier in Amden. Bei einem von den Portionen her recht bescheidenen Abendessen wurden die ersten Erfahrungen ausgetauscht und der Plan für den morgigen Tag geschmiedet. Spät abends stießen Fabian und ich zur Gruppe dazu. Die boot in Düsseldorf hatte uns etwas aufgehalten...
In voller Gruppenstärke und nach einer teilweise unruhigen Nacht ging es am nächsten Morgen nach einem reichlichen Frühstück mit Tempo zur Quelle. Grund für die Eile waren die beschränkten Zufahrtszeiten auf den engen Straßen, wie man auf dem folgenden Foto erkennen kann:
Unterhalb der Rinquelle angekommen ging das gestrige Spiel von vorne los: Stages, Doppelpakete, Scooter, Lampentanks, Kleinkram, Proviant, Wasser, Tauchanzüge und vieles mehr mussten den Berg hoch geschafft werden. Eine wahre Tortur. Zum Glück hatten wir uns früh darauf verständigt, dass wir die Rückengeräte als Reserve nutzen und ansonsten aus Stages arbeiten. So mussten wir für sieben Taucher nur drei D12 hochschleppen.
Als wir mit dem ersten Material an der Talstation ankamen, erlebten wir eine Überraschung: Auf der anderen Seite herrschte bereits Betrieb! Sollte noch eine andere Gruppe hier sein? Grundsätzlich ist uns Gesellschaft ja immer willkommen, nur wurden wir von den Schweizern bereits im Vorfeld gewarnt, dass es an der Rin auch schnell eng werden kann. Falls die andere Truppe groß gewesen wäre, hätten wir evtl. auf den einen oder anderen Tauchgang verzichten müssen. Unsere ersten Befürchtungen wurden rasch zerstreut, als der Seilkorb zu uns rübergeschickt und nachdem wir ihn beladen hatten auch brav zur Bergseite gezogen wurde. Die Truppe auf der anderen Seite bestand nur aus einem Schweizer namens Rolf, der sich extra für uns auf den Weg zur Rin gemacht hatte, um uns ein paar Tipps zu geben und uns zur Hand zu gehen (und vielleicht auch, um zu schauen, ob wir wissen, was wir da tun ;-). Außerdem empfahl er uns ein hervorragendes italienisches Restaurant in Weesen. Vielen Dank, Rolf!
Nach dem wir mehrere Stunden lang die Ausrüstung den Berg hoch geschleppt und alles, inklusive uns selbst, mit Hilfe der Seilbahn über die Schlucht befördert hatten, befanden sich Mannschaft und Material auf der Bergseite. Jetzt musste das alles noch von der Seilstation zum Einstieg gebracht werden, wobei sich diese Etappe aufgrund der überfrorenen Felsen als gefährlichster Teil des ganzen Weges entpuppte.
Nach dem gefrorenen Teil wurde der Transportweg zwar sicherer, aber nicht unbedingt leichter: Die letzten Höhenunterschiede ließen sich am besten in Ketten zu zweit oder zu dritt überwinden; für einen Person alleine ist dies generell eher schwierig. Insgesamt fünf Stunden hat es gedauert, bis das erste Team (Andreas, Thorsten) endlich ins Wasser steigen konnte. Nach einer halben Stage rein und einer halben wieder raus berichteten sie uns von verwinkelten Gängen mit tollen Sichtweiten.
Als nächstes Team stiegen Basti und ich mit jeweils einem Magnum-Scooter und zwei Stages ins Wasser. Zuerst hatten wir ein bisschen zu kämpfen, da die Gänge teilweise sehr stark abknicken und Magnums nicht die wendefreudigsten Gefährte sind. Für einen kurzen Moment kamen Zweifel auf, ob der Einsatzes dieser Boliden überhaupt sinnvoll war. Nach ca. 250m kamen wir dann aber zum sogenannten Briefkasten. Dies ist eine langgezogene Spalte, auf die unser Gang senkrecht zulief. Zu unserer Linken öffnete sich der Spalt zu einem Gang, welcher der Hauptabfluss (Downstream) des Systems ist. Jochen Hasenmeyer hat sich hier bisher am weitesten reingewagt. Bei ca. 800m geriet er in einen Sog und ist damit wohl nur knapp dem Tod entkommen, denn außer der Rinquelle hat man bis heute keinen Austritt in diesem System gefunden, der groß genug zum Durchtauchen wäre. Wir sind weiter stromaufwärts getaucht, was in diesem Fall heißt, dass wir uns in den Spalt haben hinabfallen lassen. Bei ca. 28m verlief der Gang wieder horizontal und der Flow wurde spürbar stärker (sobald die Rinquelle nicht mehr schüttet, steht das Wasser vom Quelltopf bis zum Briefkasten fast still, da dies nur ein Nebenarm des Hauptsystems ist). Also doch ein Glück, dass wir die Scooter dabei hatten ;-) Die Leinensituation war vor dem Briefkasten recht gut, wurde danach aber zunehmend schlecht. Mehrmals mussten wir Leine flicken bzw. überbrücken und während dieses und aller anderen Tauchgänge haben wir alle eine Menge Caveline, Blechdraht, Wäscheleine, Kupferlitzen, Edelstahldraht und ein Stück PVC-Rohr aufgesammelt.
Nach gut 800m wurde der Wasserstand im Gang zunehmend niedriger. Wir hoben die Köpfe aus dem Wasser und schauten an der trockenen Decke des Ganges entlang. Ganz am Ende war ein kleiner Wasserfall sichtbar. Hier musste wohl die Trockenstelle beginnen. Als wir uns wieder unter Wasser dorthin aufmachten, wurde der Flow zunehmend stärker. Wenige Meter vor der Stelle, an der das Wasser in den Gang stürzte, kamen wir trotz der Scooter nicht mehr voran, die Gavins fuhren trotz vollem Schub auf der Stelle. Wir unternahmen noch zwei Vorstöße, aber durch die Verwirbelung des Wassers konnten wir die Scooter nicht auf Kurs halten und drehten uns mit ihnen in die Strömung hinein.
Wir ließen uns ein bisschen mit der
Strömung zurücktreiben und überlegten kurz, ob wir uns am Boden entlang
zur Trockenstelle ziehen wollten. Das wäre aber wahrscheinlich nur gegangen, wenn wir die
Scooter abgeklippt hätten und in der Strömung an der Leine deponiert hätten.
Dies schien uns jedoch nicht die schlaueste Idee zu sein und folglich kehrten wir
um. Nach rund 90 min erreichten wir mit Taschen voller Leinenreste wieder
die Oberfläche. Der Abbau und Rückweg am Samstag abend gestaltete sich "relativ" einfach. Wir mussten nur die Unterzieher, Lampentanks, leere Stages und ein bisschen Abfall vom Berg runterbringen. Ein Klacks im Vergleich zum Aufbau! Gegen 21 Uhr kehrten wir bei dem von Rolf empfohlenen Italiener ein und verzehrten große Portionen Bruschetta, Nudeln, Pizza und andere Kohlenhydrate.
Auch das Hochbringen der Unterzieher, Lampentanks und neuen Stages am Sonntagmorgen wirkte einigermaßen harmlos angesichts der Strapazen vom Vortag. Die Teams wurden nochmal durcheinander gewürfelt und nach und nach absolvierte jeder seinen zweiten Tauchgang. Auch für ein bisschen Filmerei über und unter Wasser blieb noch Zeit. Leider mussten wir beim anschließenden Abbau feststellen, dass wir die nötige Zeit etwas unter- und unsere noch vorhanden Kräfte dafür überschätzt hatten. Letztlich zog sich der Abbau genauso lange hin wie der Aufbau. So war es schon lange, lange dunkel, als wir die letzten Körbe mit Material zurück über die Schlucht und den Berg hinab zum Auto brachten. Erst gegen 21 Uhr waren wir fertig. Unsere Lehre für die nächste Tour zur Rin: Bei viel Material ruhig einen Tag extra zum Abbau einplanen. Oder aber kürzer tauchen, aber wer will das schon? ;-)
Am Montagmorgen brachen wir nach einem ordentlichen Frühstück in verschiedene Richtungen auf: Basti, Andreas, Thorsten und Wolfgang wollten sich noch zwei Tage am Thuner See gönnen und den Bätterich betauchen; Mirco, Fabian und ich machten uns auf den Heimweg – die Arbeit rief. Kurz vor der Abfahrt machten wir auf dem Parkplatz noch einen Schneidtest mit all den Leinen- und Drahtresten, die wir in der Rin geborgen hatten, und allen Schneidgeräten, die wir so dabeihatten.
Andreas Fierke |
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