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[13.11.09]

Émergence de Meyraguet September 2009

Im Herbst 2009 waren wir wieder zwei Wochen in Frankreich zum Höhlentauchen im Lot. Wir wollten neben den vielen uns schon bekannten Höhlen auch etwas neues kennenlernen und sind zur Émergence de Meyraguet gefahren. Diese mündet unterhalb einer 60m steil aufragenden Felswand direkt in die Dordogne. Der Zugang ist daher nicht ganz leicht. Aus Berichten wussten wir, dass man zum Beispiel - ähnlich wie an der Ressel 2 - am gegenüberliegenden Ufer bis auf Höhe des Höhleneingangs wandern und dann durch den Fluss schwimmen kann. Diese Option schied aufgrund der vorherrschenden Strömung aus. Andere Gruppen sind mit dem Boot zum Eingang gefahren - sicher die beste Möglichkeit, aber da wir gerade kein Boot dabeihatten schied auch diese Variante aus. Letztlich sind wir an einer flachen Stelle in den Fluss eingestiegen und im Flachbereich 300m bis zum Eingang gewatet.

Der Eingang der Höhle war trocken, nur ein Rinnsal lief über den Boden. Nach 60m gibt es einen scharfen Knick nach rechts und ab hier stand uns das Wasser etwa bis zu den Knöchel. An dieser Stelle und noch einmal weiter drinnen in der Höhle hängen Warnschilder, die vor der nicht atembaren Luft an der Auftauchstelle zwischen Siphon 1 und 2 warnen. Der Sauerstoffgehalt dort liegt nur bei ca. 9%. Zwei Schweizer Höhlentaucher sind 2003 in der Auftauchstelle an Hypoxie gestorben, da sie sich der Gefahr nicht bewusst waren. Einen ausführlichen Bericht zu diesem Unfall gibt es hier (mit freundlicher Genehmigung von Beat Müller).

Nach 60m macht der Gang noch einmal eine langgezogene Linkskurve und nach weiteren 80m steht man an der Abtauchstelle. Nachdem wir unsere Doppelpakete, Stages und Videoausrüstung hierhin geschleppt hatten, haben wir uns erstmal eine Pause gegönnt und nochmal unseren Entschluss bekräftigt, die Deko beim Raustauchen konservativ zu gestalten. Schließlich mussten wir das Zeug ja auch noch wieder rausschleppen.

Beim Abtauchen fällt sofort auf, dass die Meyraguet sich stark von anderen Höhlen im Lot unterscheidet. Boden und Wände sind mit einer dunklen Schicht Mulm bedeckt und es begegnen einem viele verschiedene Fische und kleine Krebse in dieser Höhle. Auf den ersten Blick ist das verwunderlich, da das Rinnsal am Eingang zu flach zum Reinschwimmen war und dank der monatelangen Trockenheit auch lange nicht mehr tiefer gewesen sein konnte. Außerdem gab es hier wirklich viel Fisch - nicht nur verirrte Einzelgänger, die es in fast jeder Höhle gibt. Die Ursache für den Mulm und den Fischreichtum haben wir später von einem französischen Taucher erfahren: Die Émergence de Meyraguet ist keine Quelle wie die meisten betauchbaren Höhlen im Lot, sondern ein unterirdischer Nebenarm der Dordogne. Weiter flussaufwärts versickert ein Teil des Flusswassers im Grund, sammelt sich in immer größer werdenden Gängen und bildet eine betauchbare Höhle. Mit dem Wasser gelangen Abbauprodukte - also der Mulm - und Kleinstlebewesen aus dem Fluss in die Höhle, welche die Nahrungsgrundlage der Fische bilden. Ein ungewöhnliches Ökosystem.

Nach 50m Tauchstrecke in einem 4-6m breiten Gang mit max. 11m Tiefe sind wir an die Auftauchstelle gekommen, die wir schwimmend überqueren konnten. Hier ist die Decke mit einigen sehr schönen Sinterfahnen überzogen. Nach 40m konnten wir wieder abtauchen. Der zweite Siphon ist ähnlich dunkel wie der erste, nur gibt es hier weniger Fisch. Die Gänge sind ebenso breit und geräumig - nebeneinander schwimmen ist fast immer möglich. Zu Beginn geht die Höhle langsam auf 15m hinab, dann kommt ein Schacht und der Gang verläuft auf 23m, dann kommt nach ein paar Metern ein Versturz und direkt dahinter geht ein Schacht runter auf 45m. Wobei man in dieser Höhle - und das unterscheidet sie wieder von anderen in der Region - oft nicht von einem einzigen Gang sprechen kann. Die Meyraguet wirkt zerrissen, sie verzweigt sich oft und andauernd laufen kleinere Gänge auf den Hauptgang zu, die gerade mal zu klein zum Betauchen sind. Nach einem kurzen Drop auf 45m wird unser Gang wieder flacher und die Höhle verläuft in mehrere Richtungen. Die Decke wird zunehmend flacher, so dass hier vermutlich irgendwann auch kein Fortkommen mehr möglich sein wird. Ca. 450m hinter der Auftauchstelle erreichen wir unseren Umkehrdruck - die Höhle sieht hier völlig zerklüftet aus: Mehrere breite, aber flacher werdende Gänge zweigen in lauter verschiedene Richtungen ab.

Nicht zu unterschätzen ist die Perkolation in der Meyraguet - gerade im tiefen Bereich, der aufgrund des recht anstrengenden Setups anscheinend selten betaucht wird. Durch die Ausatemluft löst sich der Mulm in dicken Schwaden von Wänden und Decke und vernebelt die Sicht für den Rückweg. Nichts womit man nicht klarkäme - aber doch wieder etwas, was einen irgendwie überrascht.